Polymorph – Punk is Dead

Das Wort “Polymorphie” beschreibt ein Konzept der Programmierung, das es ermöglicht, dass ein Bezeichner, Objekte unterschiedlicher Datentypen animmt. So ähnlich kann man das auch auf das Album “Punk is Dead” von Joey Bargeld übertragen, obwohl das Album komplett von einem Produzenten – Darko Beats – produziert wurde. Und doch finden sich zahllose Genres auf der einen Platte. 

Der Titel “Punk is Dead” ist schon sehr ungewöhnlich für einen Rap Artist. Bei genauerem Hinsehen ist er allerdings sehr passend. Die Punkbewegung steht im grundsätzlichen gegen ein bestehendes System. Gegen geltende Regeln. Auf der Platte richtet sich Joey auch nach keinem Normativ der momentanen Rapkultur.

Aufgenommen hat Joey Bargeld sein Album im Studio von Darko Beats, der in seiner Vergangenheit in einer Punk-Band gespielt hat und kein reiner Rap-Produzent ist. Joey konnte sich einfach aus einem Pool unterschiedlicher Beats die herauspicken, die ihm am meisten gefallen haben. Und das tat er natürlich auch. Herausgekommen ist eine spannende Mischung aus Punk- und Rapelementen, aber auch aus Richtungen wie Dance und Trap. Die Schwierigkeit für Joey ist dabei natürlich, auf den unterschiedlichen Beats auch passend zu performen. Für dem Hamburger, der sonst für seine schrillen Rapparts bekannt ist, ist das natürlich kein Problem.

Das Intro “Trotzdem” steigt mit ungewöhnlichen Gitarrenriffs ein, die stark an Ska-Punk erinnern. Allein der Titel ist hier wieder sehr passend. Joey scheut sich nicht davor, aus gänigen Rapmustern auszusteigen. Er macht es eben trotzdem. Und auch noch sehr gut. Das stellenweise Brüllen, für das Joey vor allem bei seinen Liveshows bekannt ist, passt hier sehr gut zur Punk-Attitüde. Witziger Weise sollte “Trotzdem” auch ursprünglich der Name für das Album sein.

Nach dem sehr punkigen Einstieg geht es weiter mit dem Song “Trapen”. Natürlich im gleichnamigen Stil. Allerdings feiert Joey hier den Stil nicht selbst, sondern macht sich eher über ihn lustig.

“Du bist am trapen, versuchs doch mal mit rappen”

– Trapen

Der nächste Titel bricht dann noch mehr mit den ersten beiden. “Fast nichts an” ist ein sehr melodischer und ruhiger Ausflug in die Dancemusik mit Sprechgesang à la Falco. Auch der Beat ist sehr retroesk und voller 80er Jahre Synthies.

Der Bruch kommt, wie auch sonst, gleich mit dem nächsten Lied. “Britney Spears” ist die in Musik gewandelte Form der Bilder, die sich beim Hören des Namens der Popsängerin zuerst in den Kopf kommt. Britney mit geschorenen Haaren in der Badewanne. Im Hintergrund hört man Wassertropfen in einem sehr hallenden Raum tropfen. Der ganze Song ist voller Referenzen. Es geht um den Umgang mit psychischen Problemen und die darunter leidenden Lebensumstände. Die Badewanne kann auch als einen Ort assozieiert werden, der mit Selbstmord im Zusammenhang gesetzt werden kann. Gegen Ende switcht der Beat und …

Springen wir etwas im Album nach forne. “Wie teuer bist du kommt mit einer ähnlich klingenden Sound wie auf „Trotzdem“. Es gibt ausschließlich analoge Sounds. Ein echtes Schlagzeug und viele Gitarren. Hier geht es um Absturz. Eine druchzeckte Nacht und nach einem Beatswitch am Ende des Songs um den Morgen danach. 

Auf dem nächsten Lied „Fucked Up“ findet sich der erste Featuregast auf der Platte: John Known. Zusammen performen die Zwei auf einem Grime Beat, der stark an die Joey Bargeld und KitschKrieg Zeiten erinnern. Viel Geschrei, bei dem man sich die Moshpits auf dem Konzert bereits bildlich vorstellen kann. Auch John Know performt hier sehr stark und rastet genau so aus wie Joey.

Anschließend liefert Joey auf seiner Platte einen absoluten Hit. „Dancing Shoes“ ist ein klassischer Disco-Sound gepaart mit einer rythmischen Performance von Joey. Vielseitige Lyrics findet man hier zwar nicht, allerdings bleibt der Song stark im Kopf und lässt die Zuhörer nicht stillstehen. Einfach ein 80er Partyhit vom Feinsten.

Die Falco Attitüde haben wir in Bezug auf das Lied „Fast nichts an“ bereits angesprochen. Seinen Höhepunkt findet das im vorletzten Lied “City Life“. Abgesehen von GPCs Feature Part, der auch sehr gut in die Klangumgebung passt, könnte der Song mit seinen Beats, und die Performance von Joey eins zu eins ein Lied von Falco sein.

Joey Bargeld hat auf seinem Debütalbum etwas geschaffen, dass entgegen aller Erwartungen war. Die Platte ist ein starker Kontrast zu den vorherigen drei EPs, die in Zusammenarbeit mit KitschKrieg entstanden sind. Er hat hier aber gezeigt, wie Vielseitig er ist und wie viele Einflüsse sich mit seinem Rap kombinieren lassen. Wir sind sehr gespannt, was wir in Zukunft noch von dem Hamburger hören werden.

Text: Simon Schönfeld

Schreibe einen Kommentar