Tua – .Wav Tour im Sankt-Peter

Kein Moshpit. Keine Wall of Death. Kein Kreis in der Mitte. Dafür sehr viel Gefühl und eine Atmosphäre, die unter die Haut geht. Tua funktioniert ohne die Orsons. Nicht mit wildem Rumgehüpfe, sondern mit Balladen ähnlichen Liedern, die einen zum Tanzen, wie auch zum Nachdenken bewegen.

Tua – Keiner sonst

Die Peterskirche in Frankfurt ist direkt hinter der Zeil und wirkt irgendwie fehl am Platz, umgeben von Büro-Hochhäusern und Dönerbuden. Die Venue sieht von außen aus, wie eine stink normale Kirche und es fühlt sich so an, als würden die Konzertbesucher für einen Gottesdienst anstehen. “Macht Tua jetzt ein ‘Jesus is King’ Konzert?”. Nein, natürlich nicht! Denn sankt peter ist, trotz der Kirchenfassade, im Innern eine moderne Konzerthalle und hier spielt heute Abend Tua, nicht Kanye West. Der Konzertsaal ist in zwei Parts aufgeteilt: Einmal die Bühne, vor der bis zu 800 Menschen Platz haben und rechts daneben eine Art Chillout Area. Hier gibt es eine Bar mit Getränken und einige Sitzmöglichkeiten, für entspannte Momente vor und nach dem Konzert.

sankt peter

Voracts sind seine Tourbandmitglieder Lui Hill und Fabian Kalker, die die ca. 600 Besucher schon mal in die Musikwelt von Tua einleiten. Lui Hill entführt uns erst in die 80er. Mit Synthie-Sound und Baselines, die einen zum Tanzen auffordern. Fabian Kalker geht da eher in die 90er und legt schönen, Loveparade ähnlichen Techno auf. Das ist zwar ein großer Kontrast, aber Tua mischt auch Dinge, die scheinbar nicht zusammen gehören und dann trotzdem sehr gut miteinander harmonieren. Er fängt an mit einem Lied aus seinem Debütalbum “Grau” – welches Lied das genau war kann ich leider nicht wiedergeben, weil ich zu der Zeit “schnell” noch auf dem Klo war. Ich vermute aber stark, dass es “Moment” war, was dann in “FFWD” übergeht. Nach kurzem Smalltalk mit dem Publikum und der Erkenntnis, dass seine Krankengeschichte nicht erwähnenswert ist und es wahrscheinlich die ausgelassene Stimmung drücken könnte, geht es damit weiter, weswegen wir alle hier sind: die Musik.

Tua – Wem mach ich was vor

Tua nimmt auf einen Hocker platz und hantiert sitzend mit seinem Keyboard und eine Effekt-Mixer. Neben ihm die Bandmitglieder Lui Hill, der links von Tua das Schlagzeug bedient, und rechts steht Fabian Kalker – mit zwei Keyborads und seinem Laptop – der quasi der DJ ist. Zu dritt bringen sie die Leute dazu den “Hip-Hop-Arm” auszupacken, bei langsamen, emotionalen Songs mit zu schunkeln und den ganzen Part von Kaas von “Feuer & Öl” mitzurappen. Wie gesagt, ein Moshpit ist hier etwas fehl am Platz. Liegt auch daran, dass Tua selbst nicht rum springen kann, um die Menge zu motivieren, wie er es bei “MDMA” ausnahmsweise bestimmt gemacht hätte. Aber die Intention eines Tua-Konzerts und seiner Zuhörer ist auch eine andere, als bei den Orsons, bei denen das Feiern im Vordergrund steht. Stattdessen steht er ab und zu mal bei energischen Passagen auf – unter den besorgten Augen der Tourmanagerin – und deutet an, was gehen könnte, wenn es seinem Bein gut gehen würde.

Die Band steht zur zweiten Zugabe.

Als Tua nach etwa 45 Minuten aufsteht, um mit seinen Krücken von der Bühne zu humpeln, ist man etwas enttäuscht. Denn, wenn er in seinem Zustand von der Bühne geht, wird er wohl nicht mehr weiter machen, wie es für eine Zugabe üblich wäre. Dafür ist er körperlich einfach zu sehr eingeschränkt. Doch er kommt wieder zurück und gibt doch noch eine Zugabe, trotz seiner Krücken. Bei der zweiten Zugabe, eine viertel Stunde nach der ersten, bleibt er und seine Tourband dann ganz auf der Bühne. Zum Verständnis aller.

Tua beim letzten Lied.

Auch wenn die letzten Konzerte, die ich zuletzt besucht habe, entweder Abriss oder Party pur waren, fand ich das Konzert doch sehr gelungen, auch wenn es das komplette Gegenteil war. Meine Erwartungen waren, gerade wegen den Orsons und auch Yassin, vielleicht doch etwas fehlgeleitet. Dass es so ein ruhiger Abend würde, hätte ich so nicht gedacht. Ich hab auch etwas gebraucht um zu verstehen, dass Konzerte auch auf andere Weise stimulieren können, da muss es nicht immer laut zu gehen. Das Schlusslied “Wenn ich gehen muss” spiegelt die Veranstaltung sehr gut wieder. Sehr viele Emotionen und Gefühl, dazu eine leichte Brise Melancholie, aber dennoch mit einer guten Schippe Optimismus im Nachgang. Es fühlte sich an, als würde man all sein Ballast für die Zeit ablegen und sogar vor Ort lassen und mit etwas leichteren Gepäck nach Hause reisen. Es war ein sehr schöner Gegenpol zu meinen Konzerten davor. Danke Tua.

Tua – Wenn ich gehen muss

Text: Robin Fenner

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