Kanye West – Jesus is King / Review

Im Jahre 2004 n. Chr. hat Kanye West auf seinem Debütalbum in dem Lied “Jesus Walks” gesagt, dass er gern mit Gott reden würde. Er hatte aber Angst davor, da das letzte Gespräch schon zu lange her ist. 15 Jahre später hat er seine Angst überwunden und widmet ein ganzes Album seinem Herrn. Darüber hinaus hat sich Kanye jetzt vorgenommen, nur noch Gospel Alben rauszubringen. So beginnt auch „Jesus is King”, mit einem Gospelchor, der einen auf das noch kommende schon mal thematisch und musikalisch einstellen soll.

Kanye West – Jesus Walks (2004)

Ursprünglich sollte letztes Jahr, Ende September, noch das Album “Yandhi” rauskommen, was eine Kombination aus den Namen Kanye und Gandhi ist. Nachdem er es mehrfach verschoben hatte, wurde es dann endgültig auf Eis gelegt. Stattdessen kam im August 2019 die Nachricht, dass Kanye lieber ein Gospel Album machen will und sein neuntes Studio Album “Jesus is King” nennen wird. Was wiederum auch mehrmals verschoben wurde und mit einer fast einmonatigen Verzögerung dann endlich rauskam. Kanye ist überzeugter denn je vom Christentum und will das auch allen mitteilen. Dazu hat er einige Musiker und einen ganzen Chor um sich geschart. Seit dem ersten Sonntag diesen Jahres hält die Gospel-Rap Gruppe – “Sunday Service“ – regelmäßig ihre Gottesdienste, natürlich mit Kanye West als Wortgeber. An Ostern waren sie sogar auf dem Coachella Festival. Die Musik ist eine Mischung aus Gospel Liedern, die die Gruppe zum Teil selbst komponiert hat, und alten Liedern von Kanye selbst, die thematisch passen. Kanye West hat sich schon seit Anbeginn seiner Karriere mit Gott beschäftigt. Dadurch entstand der bittersüße Zwiespalt zwischen ein guter Christ sein und dem rasanten Starleben eines Rappers, umzingelt von Sex, Drogen und Geld.

Sunday Service vom 03.11.19

„Jesus is King“ braucht ein paar Anläufe bis es zündet. Aber das ist bei Kanye West schon mehrmals vorgekommen. Dass das Album seine Zeit braucht, liegt diesmal nicht an seinem Sound, seinen kontroversen Auftritten oder seinen Texte selbst. Es ist das Thema des Albums, das etwas sperrig ist und einige Durchläufe benötigt. Dabei ist das Album wieder typisch Kanye. Die Beats sind alle samt einzigartig und gewohnt unkonventionell. Die Texte sind auch die gleichen. Sie schwanken von tiefgründigen Gedanken bis hin zu Hirnfürzen. Aber: Kanye West hat sich das fluchen abgewöhnt und es gibt daher kein einziges Schimpfwort mehr auf der Platte. „Jesus is King“ ist mit 27 Minuten ähnlich kurz wie seine Vorgänger („ye“, „Kids See Ghost“) und zeigt eine eindeutige Tendenz Kanyes.

Soudtechnisch folgt “Jesus is King” den Produktionen Kanyes aus dem letzten Jahr, welche immer kürzer wurden und das Vergnügen eines Albums auf unter einer halben Stunde reduzierten. Trotz dem riesigen Potenzial einzelner, sind die aktuellsten Lieder von Kanye immer knapper produziert und kaum ein Lied schafft die drei Minuten Grenze. Die Ankündigung, dass Kanye West nur noch Gospel Musik machen will, stimmt bedingt. Von düsteren gitarren Klängen, über den gängigen Trapsound, geht es bis hin zu Motivations Synthesizern und zeigt uns, wie vielseitig man das Thema Gospel auslegen kann. Der “Sunday Service” Chor ist aber die einzige Konstante und taucht immer mal wieder im Laufe des Albums auf. Dass Kanye West am Anfang seiner Karriere oft und gerne Soul Lieder gesamplet hat, hört man auch hier wieder und scheint eine Sache zu sein, die er niemals aufgeben wird. Auch wenn der Sound von Kanye sich über die Jahre mehrfach gewandelt hat, spürt man auch hier wieder viel Liebe zum Detail. Vielleicht auch ein Grund, warum man auf das Album etwas länger warten musste.

Die Texte sind wenig vielfältig, denn es geht ausschließlich um Gott, Jesus und die Bibel. Anhand von eigenen Erfahrungen und Fehltritten in der Öffentlichkeit rechtfertig sich Kanye West auf dem Album ständig, warum es nach so einem turbulenten Leben nicht ungewöhnlich ist, sein Leben voll und ganz dem Glauben zu widmen. Er zitiert aus der Bibel und erzählt über die Beziehung zu seinem leiblichen Vater und deren unterschiedlichen Ansicht über das christliche Leben. Er fungiert sogar als eine Art Pastor, der uns sagt, dass wir Gott folgen sollen. Kanye ist sich aber auch bewusst, dass ihm nicht jeder seinen Weg zum Glauben oder der zu einem besseren Menschen abkauft.

Kanye West aktuelle Single – Follow God

Fazit:

Wenn man die Texte ignoriert, dann ist “Jesus is King” ein guter Nachfolger von “ye”, auch wenn die Lieder immer kürzer werden. Kanye West schafft es jedes Mal, dass seine Beats nie langweilig klingen und sich nicht gleichen. Wer nichts mit Religion anfangen kann, der wird die Textpassagen, die Kanye zum besten gibt, kaum ertragen. Sie handeln nun mal von Jesus und Kanyes Überzeugung, dass Gott alles ist, was er jetzt zum Leben braucht. Und am liebsten will er, dass wir alle seiner Wahrheit folgen. Das wirkt aber dadurch fast schon penetrantisch und aus Trotz hören ihm bestimmt deswegen einige nicht länger zu. Vorwürfe, dass Kanye vor seinem Wandel das extreme liebte und auch lebte, muss er sich gefallen lassen. Dass einer von jetzt auf gleich eine Erleuchtung erlebt hat stört die meisten. Aber Kanye wäre nicht Kanye, wenn er nicht darüber steht und einfach sein Ding macht. Egal wie abstrus es sein mag. Umso imposanter eigentlich, dass Kanye wie immer seinen Weg geht und sich durch nichts und niemanden aufhalten lässt, außer vielleicht Gott selbst.

Text: Robin Fenner

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