a night at the pizzaparty

Eigentlich hatte ich keine Erwartungen an den Abend. “Einfach mal schauen wie es ist. Es kann ja nicht schaden, oder?” Was dann kam, hätte ich nie erwartet.

Unsere Idee war einfach: Urlaub machen – egal wo. Also haben mein Freund Mirco und ich uns in einen Flieger gesetzt und sind runter nach Portugal, in die Algarve geflogen. Einen Plan hatten wir nicht. Einfach mal schauen, was auf uns zukommt. So saßen wir an einem Freitag im September, bei lauem Sommerwetter, im „Algarve Surf Hostel“ und genossen leckeres BBQ, Drinks und gute Gesellschaft. Gegen zehn machte uns Bella, eine Volunteer aus dem Hostel einen Vorschlag:

In den Bergen, etwas außerhalb der Stadt, gäbe es eine “Pizzaparty”. Sie selbst war noch nie dort, es soll sich dabei aber um einen Rave in einer Hippiekommune handeln. Vorstellen konnte ich mir darunter nichts und eine 45-Minütige Taxifahrt schien mir etwas extrem. Da der Abend jedoch noch jung war und ich am nächsten Tag eh nichts geplant hatte, sagte ich zu. So zogen wir mit etwa 20 Leuten – quasi dem ganzen Hostel – zunächst in eine Bar in der Stadt. Musik, Tanzen, Cocktails und Darts füllten die Zeit bis Mitternacht. Mirco entschließ sich, mit dem Rest des Hostels in der Stadt zu bleiben und so suchten wir zu fünft ein Taxi, dass uns zur “Pizzaparty” bringen sollte. Eine Adresse, hatten wir nicht. Die war auch nicht notwendig. Wir hielten einen Taxifahrer an und fragten, ob er uns zur Pizzaparty bringen könnte. “No problem”, antwortete der Taxifahrer rasch. “Fourty euros”.

Etwas überrascht stiegen wir ein und los ging die Fahrt. Erst über Landstraßen aus der Stadt heraus und dann über wackelige, kaputte Schotterwege immer weiter in die Berge. Etwas suspekt war das ganze schon. Wie konnten wir sicher sein, dass uns der Taxifahrer nicht übers Ohr haut? Da wir allerdings alle herausfinden wollten, was es mit dem rätselhaften Rave in dem Hippiedorf auf sich hatte, fuhren wir weiter.

Wir wussten, dass wir richtig waren, als wir plötzlich zwischen dicht aneinander geparkten Autos hindurchfuhren. Eine kleine Veranstaltung war das nicht. Dafür standen hier viel zu viele Fahrzeuge. Zu den ganzen Autos kamen mehr und mehr Vans und Wohnmobile hinzu. An einem Feldweg, der weiter in die Berge führte, stiegen wir aus. Es war dunkel und doch konnten wir entlang des Weges haufenweise Zelte stehen sehen. Aus der Ferne hörten wir schon Musik. Wir wurden immer gespannter und begannen unseren Aufstieg. Nach einigen Minuten erreichten wir eine Art Eingang. Eigentlich nur zwei aneinander gelehnte Äste, zwischen denen ein Schild mit der Aufschrift “Welcome” hing. Wir folgten dem Weg weiter den Berg hinauf, während die Musik immer lauter wurde. Plötzlich standen wir an einer Hütte, in der uns zwei Frauen lächelnd begrüßten. Der Eintritt kostete 10 Euro. Zusätzlich mussten wir unseren Namen und unsere E-Mail in eine Liste eintragen und bekamen einen kleinen Mitgliedsausweiß. 

Hinter der Hütte begann das eigentliche Gelände. Hier standen an der Seite Reihen mit Tischen und Bänken. Die Vegetation um die Wege war durch bunten Lichterketten erleuchtet und bildeten ein angenehmes Ambiente. Von hier aus konnten wir auch schon die Pizzabäckerei sehen. Sie war ziemlich groß. Hier standen etwa sechs Pizzaöfen und es roch herrlich nach gebackenem Teig und Tomatensoße. Alle Gebäude schienen der Marke-Eigenbau zu entsprechen.

Dahinter öffnete sich das Gelände. Es gab drei große Floors, die sich quasi über ein ganzes Tal verteilten. Eigentlich bestanden sie aus großen Zeltdächern, die zwischen den Bäumen aufgespannt waren. Das Größte war in etwa 20×20 Meter groß. Alles andere als ein einfacher Rave. Der Großteil des Geländes war abschüssig. Verbunden waren die Gebäude durch in den Berg geschlagene Gänge, die mit Geländern aus Ästen gesichert wurden. Alles natürlich wieder Marke-Eigenbau. Eine gerade Fläche hatte man prinzipiell nur am Boden des Tals, auf dem sich die kleinste Bühne befand. Hier lief hauptsächlich Progressive, ziemlich nach meinem Geschmack. Ging man von hier aus das Tal entlang, mal unter ein paar schrägen Bäumen hindurch, vorbei an Ständen, an denen einige Bewohner des Tals selbstgemachte Sachen verkauften, kam man zur größten Bühne. Hier wurde hauptsächlich Techno gespielt. Die Leute tanzten in einer etwa 12 Meter breiten Kuhle in der Mitte des Zelts. Umgeben war diese von einer zweiten, höheren Ebene, auf der ebenfalls fleißig getanzt wurde. Das innere des Zeltes schimmerte von Farben verschiedener Laser und der Lichtshow einiger Beamer. Alles machte den Eindruck, als wären hier nur Profis am Werk gewesen. Neben den Lichtmaschinen waren auch die Anlagen auf den Floors vom Klang her sehr gut. Für mich persönlich hätte die Musik auf der großen Bühne etwas härter sein können, aber da sind wir in Deutschland auch vielleicht einfach Anderes gewöhnt. Seitlich der Bühne schlängelten sich auch hier wieder in den Hang gemeißelte Wege nach oben, auf denen aber natürlich auch fleißig getanzt wurde. Die dritte Bühne befand sich an der Spitze. Hier lief durchgehend sehr guter, schneller Drum & Base. Während ich hier auf und absprang bemerkte ich plötzlich, dass sich ein MC in die Menge vor der Stage gesellt und live auf die Musik gespittet hat. Keine Ahnung, wie er das geschafft hat, aber es war wirklich gut. Und wie er das zwei Stunden durchgehalten hat, kann ich mir auch nicht erklären. Naja, eine Theorie habe ich da schon…

Für Abwechslung war auf dem Gelände also gesorgt. Und der Weg über die schmalen Fels Wege und ab und an zwischen ein paar Ästen hindurch, brachte noch den gewissen Abenteuerfaktor. Für zehn Euro gab es außerdem All-you-can-eat Pizza und eine 10’er Getränkekarte gab es für nur 15 Euro. Für Leute wie uns, die nicht nur wegen des guten Frühstücks oder den sauberen Toiletten in Hostels Urlaub machen, sehr gute Preise! Das alles ermöglichten dutzende Freiwillige, die unter der Woche hier im Bergdorf leben und freitags in den vielen Bars und beim Auf- und Abbau helfen.

Das Klientel hätte nicht diverser sein können. Um von dem „FRIDAY HAPPENING“, wie es hier genannt wird, zu erfahren, muss man vermutlich einen Einheimischen kennen. Allerdings waren hier Menschen aus der ganzen Welt vertreten. Ich traf Menschen aus Europa, Australien, Südamerika und womöglich auch aus dem Rest der Welt. Das machte auch den verrückten Tanzmix vor der Bühne aus. Jeder bewegte sich auf seine eigene Weise zur Musik. Hier entsteht eine tolle Art der Zusammenkunft, die vielleicht auch der Sinn hinter der Veranstaltung sein könnte. Vielleicht.

Während es um uns herum langsam heller wurde, entschieden wir uns dazu, uns den Sonnenaufgang über dem Tal anzuschauen. Es war ein schöner Anblick, als die Sonne langsam alles um uns erhellte und den wundersamen Ort plötzlich wieder in die Realität verwandelte. Jetzt erkannten wir etwas abseits des Geschehens mehrere kleine Häuschen und Wohnwägen, sowie einige kleine Gemüsefelder. Ein Dorfbewohner lief herum und verteilte auf Spendenbasis kleine selbstgemachte Energie-Balls. Wir entschieden uns zu gehen und standen plötzlich vor der größten Herausforderung des „Abends“. Ich dachte zum Rave zu gelangen sei die Schwierigkeit, doch nun stellte sich heraus, dass vom Berg wieder in die Stadt zu kommen, die größere Schwierigkeit war. 

Schlechter Handyempfang und keine Taxen in der Umgebung machten uns klar, warum hier so viele Wohnmobile und Zelte stehen. Teilweise erreichten wir Taxiunternehmen, die sich allerdings nach langen Wartezeiten doch dagegen entschlossen, sich auf den weiten Weg in die Berge zu machen. 

Unsere Rettung, nach bereits zwei Stunden Wartezeit, war dann simpel. „Gibt es Uber in Portugal?“ Interessanter Weise: “Ja!“ Einen Anruf und etwa 15 Minuten später stand dann auch schon ein Auto vor uns, bereit uns zurück in die Stadt zu fahren. Das Ende einer langen, überraschenden, aber auch sehr schönen Nacht.

Text: Simon Schönfeld

Anm. d. Verf.: Solltet ihr mal in Lagos sein und würdet gerne zum FRIDAY HAPPENING, schaut mal auf deren Facebook oder Internetseite vorbei, oder steigt einfach in ein Taxi und sagt: “To the pizzaparty, please.”

https://www.facebook.com/fridayhappinessalgarve/

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