All Eyes On 3Plusss

Die meistens Songs und Alben die heutzutage erscheinen, werden an einem Freitag veröffentlicht. 

Das ist an sich auch sehr sinnvoll, denn die sogenannte Chartwoche, also die Zeitspanne, in der die wöchentlichen Streams und Albumverkäufe für die Charts gezählt werden, geht von Freitag bis Donnerstag. Veröffentlicht ein Künstler ein Projekt an einem anderen Tag, beispielsweise an einem Mittwoch, werden nur die Streams bis zum nächsten Freitag gezählt. Die Platzierung in den Charts fällt somit niedriger aus. So hat sich der sogenannte Releasefriday entwickelt. 

Vergangene Woche listete HipHop.de über 30 neue deutsche Rapsongs und neun Alben, die in dieser Woche erschienen sind. Bei der Menge an neuer Musik ist es klar, dass selbst eingeschworene Musikliebhaber nicht alles in Gänze hören können.Klar ist auch, dass Releases von relevanten und reichweitenstarken Künstlern von den Medien am meisten Aufmerksamkeit bekommen. 

Was ist also, wenn ein Künstler sein Album zeitgleich mit einem Künstler mit höherer Reichweite veröffentlicht?Darum wird es in den folgenden Artikeln gehen.Wir beschäftigen uns mit Alben von denen wir glauben, dass sie in der Hektik oder der Masse der schieren Musikflut untergegangen sind.

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Den Anfang machen wir dabei mit 3Plusss und seinem Album Gottkomplex.Zugegebenermaßen hat das Album, dass am 16.10.2016 zeitgleich mit Alben von Goldroger, Clueso und Dexter erschien, keine wirkliche Promikonkurrenz, oder wurde von einem Hype verdrängt. Allerdings bin ich der Ansicht, dass das Album des Nischenrappers dennoch untergegangen ist und nicht den Stellenwert erlangt hat, den es in der Rapszene verdient. 

Viele Menschen werden bei 3Plusss wohl noch an den zerzausten Jungen aus dem VBT denken, der versucht sich seinen Platz auf dem Splash! Festival zu erkämpfen. Tatsache ist aber, dass vier Jahre nach seinem Internethype viel mehr aus 3Plusss geworden ist, als ein bloßer Battle MC.

„Dir geht’s schlecht, doch niemand kriegt es mit
Das ist nichts, ich bin der Beste aber keiner weiß es“

3Plusss – Gespenster

Auf Gottkomplex zeigt sich der Essener, der von Kritikern unter anderem als „sympathischer Misanthrop“ bezeichnet wird, facettenreich und schafft es den damaligen Zeitgeist auf Albumlänge festzuhalten. Dabei vergisst er seine Wurzeln nicht und kreiert so eine Symbiose aus ruffen battlemäßigen Parts und emotionsgeladenem nachdenklichem Inhalt, was durch seine eigene Ironische Haltung komplettiert wird.

Zusammen mit Bennett On und Peet aka We Do Drums, die das gesamte Album produziert haben, schaffen sie ein Gesamtkonzept, dass den Hörer,  voll und ganz mitnimmt, sofern er sich auf das Album einlässt.Die Thematiken des Albums reichen von humorvoll in Frage gestellten Lebensentwürfen, bis hin zu emotionsgeladenen, fast depressiven Reflexionen seiner Selbst.

„Bipolar zu sein ist so scheiße

Und Bipolar zu sein ist das geilste.“

3Plusss – Soweit

Natürlich muss man erwähnen, dass sich hinter Gottkomplex kein Album á la Modus Mio verbirgt. Gottkomplex ist keinesfalls ein einfaches Album, überzeugt allerdings durch viel Hingabe und Liebe fürs Detail. Wer sich einmal auf den sperrigen Stil, der das Album ausmacht, eingelassen hat, erhält die Chance mit Gottkomplex auf eine Entdeckungsreise zu gehen. So kommt es, dass manch ein Kritiker hier sogar einen Vergleich zu Caspers 2011 erschienenem Album XOXO zieht, das die heutige Rapszene stark beeinflusst haben soll. 

„Das hier bleibt ewig oder ist niemals passiert“

3Plusss – Nein

Auch die Live Präsenz von 3Plusss ist nicht zu verachten. Wer auf einen Auftritt von 3Plusss geht, den erwartet eine auf die Essenz verdichtete Performance aus einem klassischen HipHop Auftritt mit DJ und MC und einem mitreißendem, emotionsvollem Konzert von dem man hofft, dass es niemals endet. 

3Plusss hat mit seinem dritten Album ein Werk geschaffen, dass beinah zeitlos wirkt.Ein Album, dass mit jedem Hören mehr Sinn zu ergeben scheint. Man kann sich auf neue Musik von 3Plusss freuen!

In diesem Sinne, keep your eyez on 3Plusss und bis zum nächsten Mal! 

Persönlicher Favorit: „In letzter Zeit“ 

Text: Simon Schönfeld

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